Geb. 17.08.1929, gest. 26.12.2004
Dr. Hellmut Müller lebte von 1969 bis 1982 in der Altmarkgemeinde Gladigau, wo er als Gemeindepfarrer tätig war. Er hat bei den Menschen in seiner Umgebung das Interesse für die romanischen Dorfkirchen geweckt und bisweilen nachhaltig beeinflussen können.
Seinen Anregungen haben wir zu verdanken, daß die Untersuchung von Maßverhältnissen im Bauplan romanischer Dorfkirchen ein Schwerpunkt unseres Projekts geworden ist, dessen Entwicklung er von Anfang an mit kritischen Hinweisen aufmerksam verfolgte.
"Schließlich ist den altmärkischen Granitkirchen noch eine besondere Eigenart gemeinsam, die offensichtliche Schlüsselfunktion des Altars für die Abmessungen des Innenraumes. Denn, wenn der Anschein nicht trügt, lassen sich hier aus der Altarstellung klare und einfache Verhältniszahlen für die Konstruktion des Kirchengrundrisses ableiten.
Das Grundmaß ist m.E. der Abstand der Altarvorderkante vom hinteren Apsisscheitel gemessen, bei platt geschlossenen Bauten von der Chorostwand (im folgenden als »Strecke a« bezeichnet). Aus ihm ergeben sich durch Vervielfältigung oder Teilung die wichtigsten Maße der Kirche.
Somit war, wie ich meine, der Choraltar als Ort der Messe, des Gebetes und des Segens nicht ein Stück Ausstattung, das in das fertige Gebäude hineingesetzt wurde und dessen Platzierung sich mehr oder weniger zufällig [...] ergab. Sondern sein Platz war der eigentliche Fixpunkt, um den herum die Kirche in einem festen Beziehungssystem gebaut wurde. [...] Es ist erstaunlich, wie regelmäßig sich dieses Verhältnis feststellen läßt, wo immer der mittelalterliche Altar erhalten ist."
aus: Hellmut Müller (1994), Straße der Romanik im Kreis Osterburg Ein Vorschlag, Manuskript.